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Wladimir Kramnik (Russland)
Wladimir Kramnik gehört zu den stärksten Spielern der Schachgeschichte. Von 2000 bis 2007 war er Weltmeister. In Dortmund nimmt er eine Ausnahmestellung ein. Er gewann das Turnier neun Mal und tritt 2010 als Titelverteidiger an. Schon in jungen Jahren zeigte Kramnik sein außerordentliches Talent, als er mit 16 Jahren U18-Weltmeister wurde. Es folgte eine steile Karriere, deren bisheriger Höhepunkt das Jahr 2000 markiert. In einem legendären Match eroberte der russische Ausnahmekönner durch den Sieg gegen Garri Kasparow in London den WM-Titel. Kramnik zeigte sich hier auf der Höhe seines künstlerischen Schaffens. Er verlor keine Partie und demoralisierte den bis dahin als übermächtig geltenden Kasparow. Kramnik verteidigte seinen Titel zwei Mal, 2004 gegen Peter Leko in Brissago und 2006 gegen Wesselin Topalow in Elista. In den folgenden zwei Jahren legte der hochgewachsene Mann aus Tuapse schachlich eine Durststrecke hin, die durch sein privates Glück aber mehr als kompensiert wurde. Er und seine Ehefrau Marie-Laure wurden Eltern einer gesunden Tochter. Dieses Ereignis scheint Kramnik beflügelt zu haben, denn seit 2009 präsentiert er sich wieder in Bestform. Er gewann mit Dortmund und dem Tal-Memorial in Moskau zwei der stärksten Turniere des letzten Jahres. Es folgten London (2009) und Wijk aan Zee (2010), wo er jeweils den zweiten Platz belegte. Neben seinen starken Turnierergebnissen deuten auch seine hervorragenden Resultate bei Schnellschachevents an, dass sein Denkprozessor wieder auf Hochtouren arbeitet. Aktuell reist er mit der Empfehlung des Turniersiegs beim „Presidents Cup“ in Baku an. Wladimir Kramnik startet beim Sparkassen Chess-Meeting als großer Favorit. Er wird alles daran setzen, ein tolles Jubiläum zu feiern und 2010 zum 10. Mal in Dortmund zu gewinnen. Shakhriyar Mamedyarov (Aserbaidschan)
Zum dritten Mal stellt sich der 25-jährige Großmeister in Dortmund vor. Shakryar Mamedjarow stammt aus Baku, wo auch Garri Kasparow geboren wurde. Zugute kamen ihm die lange Schachtradition seiner Heimat und die Tatsache, dass er in einer Schachfamilie aufwuchs. Sein Vater Gamid, ein ehemaliger Gewichtheber sagt: „Das Beste, was ich im Leben geleistet habe, sind meine drei Schach spielenden Kinder:“ Shakryars Schwestern Zeinab und Turkan sind auch erfolgreiche Großmeisterinnen. Seit Jahren rangiert Mamedjarow unter den Top Ten der Schach-Weltrangliste und liegt derzeit mit einer ELO-Zahl von 2763 auf Platz 6. 2006 gewann er ein Turnier im holländischen Hoogeven und ließ dabei Exweltmeister Weselin Topalow (Bulgarien) hinter sich. In Sofia konnte er ihn 2007 wieder bezwingen. Mamedjarow war zweifacher Juniorenweltmeister und spielt seither neben Teimur Radjabow und Vugar Gashimow im Nationalteam seines Landes. Radjabow gab in Dortmund auch schon seine Visitenkarte ab. Von der Stärke des Schachs in Mamedjarows Heimat zeugt die Goldmedaille, die Aserbaidschan bei der Mannschafts-EM 2009 gewann. Zuvor wurde Shakryar Open-Sieger bei den Chess Classic in Mainz. „Ich möchte interessantes Schach spielen und suche Wege, den Gegner zu überraschen. Deshalb strebe ich immer nach dem besten Zug und scheue auch nicht das Risiko“, beschreibt der sympathische Großmeister seinen eigenen Stil. Mamedjarows erster Trainer war übrigens eine Frau. In Aserbaidschan betreiben beide Geschlechter den Geistessport mit der gleichen Leidenschaft. Shakryar
Mamedjarow hat zu Hause eine solide Schachschule durchlaufen, ihm
wird ein außergewöhnliches Talent bescheinigt. Noch hat er seine
Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft. Vielleicht gelingt ihm
dieses Jahr im Schauspielhaus der ganz große Erfolg.
Der Ukrainer steht im Guinness-Buch der Rekorde als bisher jüngster Schachweltmeister aller Zeiten. Ruslan Ponomarjow schaffte es in nur einem Jahrzehnt vom Eleven bis auf den Olymp. 2002 gewann er mit 18 Jahren das Knockout-Turnier der FIDE in Moskau und wurde überraschend neuer Titelträger. Dieses Kunststück brachte vor ihm noch kein Spieler in der Schachgeschichte fertig. In diesem Jahr feiert der 26-jährige Großmeister nun endlich seine Premiere in Dortmund. Sein Start beim Sparkassen Chess-Meeting ist nach Meinung von Anhängern und Experten überfällig. Ruslan Ponomarjows Talent für das Spiel der Könige war schon früh sichtbar. Mit 14 Jahren wurde der Wunderknabe einer der jüngsten Großmeister. Schritt für Schritt arbeitete er sich weiter nach vorn und verbesserte sein Schach. Der schmächtige Großmeister spielte seit 1998 für die Ukraine bei Schacholympiaden und wuchs zu einem Riesen heran. Knockoutturniere aber scheinen die Spezialität Ponomarjows zu sein. Bei den FIDE-Weltcups 2005 und 2009 schaffte er es jeweils bis ins Finale. Zuletzt unterlag er in Chanty-Mansisk nur dem erfahrenen Boris Gelfand, der in Dortmund auch schon oft seine Figuren setzte. In den vergangenen Jahren erlebte Ruslan Höhen und Tiefen wie jeder andere Weltmeister. Im Herbst 2003 kam es leider nicht zum geplanten Match Ponomarjow-Kasparow, weil der Ukrainer die einseitigen Vertragsbedingungen nicht akzeptierte. Der Vereinigungsprozess der Schachwelt war einmal mehr ins Stocken geraten. Ponomarjow pflegt einen ausgefeilten strategischen Schachstil. Er manövriert sehr geschickt, scheut aber auch Kombinationen nicht, wenn er die Gelegenheit dazu erhält. Sein Vorbild ist der frühere Weltmeister Bobby Fischer. Wird er in Dortmund so aufspielen können, wie es der Amerikaner in den Schacharenen tat? Peter Leko (Ungarn)
Peter Leko gehört seit über zehn Jahren zur Elite des Weltschachs. Das Sparkassen Chess-Meeting gewann der 30-jährige 1999, 2002 und 2008. Leko erlernte im Alter von sieben Jahren das königliche Spiel und gilt als eines der größten Wunderkinder der Schachgeschichte. Er wurde U12- und U16-Weltmeister und als er mit 14 Jahren den höchsten Schachtitel verliehen bekam, war er der jüngste Großmeister weltweit. Als Senior stand er im Jahr 2004 vor dem größten Erfolg seiner Karriere. Gegen Wladimir Kramnik wäre in der letzten Partie bei der Schach-WM in Brissago ein Unentschieden ausreichend gewesen, um seine Laufbahn zu krönen. Der geniale Russe glich aber zum 7:7 aus. Ein Ergebnis, das ihm zur Titelverteidigung genügte. Dortmund und das Sparkassen Chess-Meeting sind für Leko wie eine zweite Heimat. Hier trat er schon als 11-jähriger im offenen Turnier in Erscheinung und hier lernte er als 19-jähriger seine Frau Sofia kennen. Wer Leko auf Deutsch reden hört, darf sich nicht wundern. Der schlaksige Mann aus Szeged beherrscht mehrere Sprachen und ist immer zu einem Plausch bereit. Gegenüber der Schachpresse geizt er nicht mit Varianten und Ideen, die ihm während einer Partie durch den Kopf gingen. Das macht ihn für Journalisten zu einem der beliebtesten Interviewpartner in der Szene. Seine Vielseitigkeit beweist der Ungar abseits des Bretts auch bei der Ausübung anderer Sportarten. Er spielt begeistert Fußball, Handball und Tischtennis. Dort wie auf dem Schachbrett ist er ein begnadeter Verteidiger. Als Meister der Prophylaxe, der aber im richtigen Moment den Konter ansetzt, wird er auch beim Sparkassen Chess-Meeting 2010 agieren. Mit dieser Taktik möchte sich der sympathische Großmeister zum vierten Mal in die Siegerliste des prestigeträchtigsten Turniers auf deutschem Boden eintragen. Arkadij Naiditsch (Deutschland)
Arkadij Naiditsch ist der beste deutsche Schachspieler der Gegenwart. Seit einigen Jahren führt er die deutsche Rangliste an und verteidigt für die Nationalmannschaft bei großen Turnieren das erste Brett. Naiditsch stammt aus einer schachbegeisterten Familie und erlernte im Alter von fünf Jahren das königliche Spiel. 1996 siedelte der 24-jährige mit seinen Angehörigen von Riga nach Dortmund und hier begann sein steiler Weg in die Weltspitze. Schon im Alter von 15 Jahren erhielt er den Titel des Großmeisters. Seit 2003 vertritt der Lokalmatador die deutschen Farben beim Sparkassen Chess-Meeting und sorgte bei seiner dritten Teilnahme im Jahr 2005 für eine Sensation, als er beim prestigeträchtigsten Turnier Deutschlands solche Weltklassespieler wie Wesselin Topalow, Peter Swidler und Wladimir Kramnik hinter sich ließ. National untermauerte der Dortmunder in den letzten Jahren seine Vormachtstellung durch den Gewinn von vier Titeln. Im Einzel gewann er 2007 und in der Mannschaft mit OSG Baden-Baden in den letzten drei Spielzeiten die Meisterschaft. Naiditsch zeichnet aus, dass er über Jahre kontinuierlich an seinem Spiel gefeilt hat. Die Belohnung war das Erreichen der Elo-Zahl von 2700 Punkten im April 2009. Für den ehrgeizigen jungen Mann dürfte das der bisher größte Erfolg in seiner Karriere gewesen sein. Dass er sich in der Weltspitze etabliert hat, zeigte er beim Corus-Schachfestival 2010. In der B-Gruppe landete er hinter dem Wunderknaben Anish Giri auf dem hervorragenden zweiten Platz. Dank seines kompromisslosen Stils sorgt Naiditsch immer wieder für spektakuläre Partien und ist ein gerngesehener Gast auf Turnieren. Auch beim Sparkassen Chess-Meeting 2010 wird er mit seinem Spiel die Zuschauer begeistern und vielleicht nach 2005 wieder um den Turniersieg mitspielen. Liem Le Quang (Vietnam)
Zum ersten Mal nimmt ein Spieler aus Vietnam an den Dortmunder Schachtagen teil. Das Ticket zum Sparkassen Chess-Meeting löste Quang Liem Le im Februar durch seinen überraschenden Sieg beim renommierten Aeroflot Open in Moskau. Wenige Tage zuvor hatte er in der russischen Hauptstadt auch ein anderes offenes Turnier als Co-Gewinner beendet. Der 19-Jährige gilt als das größte Schachtalent Vietnams. Schon im Kinder- und Jugendbereich sammelte der in Ho-Chi-Minh-Stadt geborene Le viele Medaillen. So wurde er 2005 in Belfort Weltmeister U14. Den Großmeistertitel trägt er seit 2006. Die Normen hierfür erzielte er bei den Südostasienspielen 2005, der Schacholympiade 2006 sowie bei einem Turnier in Budapest im Juli 2006. Auch beim Turnier der Nationen 2008 in Dresden glänzte Le mit 8 Punkten aus 11 Partien und trug damit maßgeblich zum 9. Platz des Vietnam-Teams (noch vier Ränge vor Deutschland) bei. Sein Trainer ist der frühere russische WM-Kandidat Jewgeni Barejew, der auch schon Kramniks WM-Sekundant war. Er bescheinigt seinem Schüler ein gutes Positionsverständnis und arbeitet mit ihm an der Erweiterung seines Eröffnungsrepertoires. In dieser Beziehung kann die vietnamesische Nr. 1 nach eigener Aussage mit den Spielern der Weltelite noch nicht konkurrieren. Aber vielleicht macht der Jungstar dies durch ideenreiches Spiel auf der Bühne des Dortmunder Schauspielhauses wett. Im vorigen Jahr hat Quang Liem Le die Schule beendet und konzentriert sich seither ganz auf den Schachsport. Sollte er weiter so erfolgreich sein, steht einer Profikarriere wohl nichts im Wege. Eine Prognose über sein eigenes Abschneiden in Dortmund wollte der junge Mann vorher nicht abgeben. Viel lieber möchte er Konkurrenten und Zuschauer durch seine Partien beim Chess-Meeting überraschen. Alle Fotos: Dagobert Kohlmeyer |
