Kramnik zur Halbzeit
deutlich vorn
Meier und Nakamura produzieren Seeschlange
Wladimir Kramnik ist
beim Sparkassen Chess-Meeting 2011 nicht aufzuhalten. In der fünften
Runde besiegte er Anish Giri und führt zur Halbzeit mit überragenden
4,5 Punkten aus fünf Partien.
Giri wählte mit den
schwarzen Steinen die Grünfeld-Indische Verteidigung, obwohl Kramnik
einer der weltweit größten Experten in der Bekämpfung dieser
Eröffnung ist. Der 17-jährige Holländer tauschte die Damen und
wähnte sich sicher, doch der Ex-Weltmeister überraschte seinen
jungen Gegner im 13. Zug mit dem Aufzug des h-Bauern, um am
Königsflügel anzugreifen. „Ich habe diesen Zug schon für mein
WM-Match gegen Garri Kasparow im Jahr 2000 vorbereitet. Heute konnte ich ihn endlich anwenden“, erklärte der strahlende
Sieger. In der Folge wusste Giri nicht, wie er gegen das weiße
Konzept Gegenspiel erlangen soll. Er nahm im 17. Zug eine Schwächung
seiner Bauernstruktur in Kauf, in der Hoffnung die weiße Initiative
einzudämmen. Das Vorhaben ging aber nach hinten los. „Danach stehe
ich strategisch auf Gewinn, weil ich das Zentrum erobere und meine
Figuren aktiv sind“, erläuterte Kramnik nach der Partie. Am Ende
tauchten zwei weiße Freibauern auf der 6. Reihe direkt vor der
schwarzen Stellung auf. Giri hatte keine Chance und gab nach 44 Zügen
auf. Es folgt die Partie mit einigen Anmerkungen der Spieler.
Kramnik,Wladimir (2781) - Giri,Anish (2701) [D85]
39. Sparkassen Chess Meeting 2011 Dortmund (5), 25.07.2011
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Le3 c5 8.Dd2 Da5 9.Tc1 cxd4 10.cxd4 Dxd2+ 11.Lxd2 Schwarz hat viele Möglichkeiten in dieser Variante, aber ich hab diesen Weg gewählt, weil ich dachte, dass er der sicherste sei (Giri). 11...0-0 12.Sf3 e6
13.h4 Diese Neuerung hab ich schon für das WM-Match im Jahr 2000 gegen Kasparov vorbereitet (Kramnik). Ich habe viele Endspiele mit h4 für Schwarz analysiert, aber in dieser Version ist das Endspiel gut für Weiß, da der Läufer auf d2 steht und verhindert, dass der schwarze Springer nach a5 geht, was wichtig für schwarzes Gegenspiel ist (Giri). 13...Sc6 14.e5 Ld7 14...Td8 wäre besser gewesen. Nach 15.Lg5 Td5 16.Lc4 Td7 17.Lb5 Td5 18.Lxc6 bxc6 19.Txc6 Lb7 hat Schwarz hat Gegenspiel, so dass Weiß etwas anderes spielen müsste (Giri). 15.Tb1 b6 16.h5 Se7 17.hxg6
17...fxg6? Das ist ein strategischer Fehler. Weiß erobert das Zentrum, aber auch nach 17...hxg6 hat Weiß gute Möglichkeiten am Königsflügel aktiv zu werden (Kramnik). Nach 17...hxg6 kann Weiß am Königsflügel angreifen. Außerdem sah ich keine Gegenspiel für mich. Ich dachte auch nicht, dass 17...fxg6 so schlecht sei (Giri). In der Folge schaffte es Schwarz nicht, ein Gegenspiel aufzubauen.
Kramnik spielte den Rest weltmeisterlich und gewann verdient nach 44
Zügen. 18.Lc4 Tac8 19.Lb3 Sd5 20.Sg5 h6 21.Se4 g5 22.Sd6 Tc7 23.Ke2 Td8 24.Th3 Lc6 25.Tbh1 Tf8 26.Tc1 Ld7 27.Txc7 Sxc7 28.Tc3 Sa6 29.g3 Td8 30.f4 Lf8 31.f5 Lxd6 32.exd6 Lb5+ 33.Ke3 Txd6 34.fxe6 Kf8 35.Tc8+ Ke7 36.d5 Td8 37.Txd8 Kxd8 38.d6 Sc5 39.Ld5 Ld7 40.exd7 Kxd7 41.Kd4 Kxd6 42.Lb4 a5 43.Lxc5+ bxc5+ 44.Ke4 1-0

Wladimir Kramnik führt das Feld in Dortmund souverän mit 4,5 aus 5 an
Liem Le Quang
feierte seinen ersten Sieg in Dortmund. Im Verfolgerduell besiegte
der 20-jährige Vietnamese den Ukrainer Ruslan Ponomariov und liegt
nach der Hälfte des Turniers auf dem 2. Platz. Die Kontrahenten
wählten das klassische Damengambit. Bis zum Mittelspiel wog die
Partie hin und her. Dann übernahm Le Quang das Zepter und schob
seine Bauern im Zentrum vor. Er eroberte immer mehr Raum und
schwächte seinen Gegner auf beiden Flügeln. Die logische Konsequenz
war die Eroberung von gegnerischem Material. Im Endspiel versuchte
der 27-jährige Ukrainer das Ruder herumzureißen, doch Le Quang
sicherte sich durch einen Freibauern den Sieg.
Liem Le Quang mit schönem Sieg gegen Ruslan Ponomariov
Georg Meier
verpasste in der fünften Runde eine große Chance. Im „Kellerduell“
stand er gegen Hikaru Nakamura in der längsten Partie des Turniers
vor seinem ersten Sieg. Der 23-jährige Amerikaner wählte die
scharfe Königsindische Verteidigung und zeigte von Beginn an, dass
er auch mit den schwarzen Steinen gewinnen will. Die Kontrahenten
folgten einer langen ausanalysierten Variante. Der 23-jährige
Trierer opferte im Mittelspiel eine Qualität, um den Angriff auf
seinen König abzuwehren. Im Gegenzug erhielt er aber die Kontrolle
über weite Teile des Brettes. Nakamura fand keinen Weg zum
gegnerischen Monarchen und ließ sich am Damenflügel überrollen.
Meier gewann Material und musste nur noch den Vorteil zum Sieg
verwerten. Am Ende scheiterte er aber an seinen Nerven und an der
Zeitnot. Er ließ Nakamura eine Festung bauen, die er trotz
Mehrbauern nicht einnehmen konnte. Nach 150 Zügen und einer
Spielzeit von sage und schreibe fast acht Stunden einigten sich die
Spieler auf Remis.
Georg Meier verpasste knapp seinen ersten Sieg
Robin van Kampen und Matthias Blübaum sorgen im Helmut-Kohls-Turnier weiter für Furore. Der Holländer besiegte Jens Kotainy und liegt mit 3,5 Punkten in Führung. Der 14-jährige Blübaum besiegte mit Schwarz Arnd Lauber und liegt mit 2,5 aus 3 - die Partie aus der 1.Runde wird Dienstag nachgeholt - auf IM-Norm-Kurs.
Dienstag, der 26.
Juli, dient den Spielern als Erholungstag. Gleichwohl dürfen sich
die Fans auf ein Erscheinen der Großmeister freuen. Im Kundenzentrum
der Sparkasse Dortmund, Freistuhl 2, geben die Denkakrobaten ab 15
Uhr eine Autogrammstunde. Im Rahmen dessen verlost die Sparkasse
Dortmund zudem tolle Preise, u.a. ein ipod touch und ipod shuffles.
Am Mittwoch den 27.
Juli findet die sechste Runde des Sparkassen Chess-Meeting 2011
statt. Ruslan Ponomariov fordert mit den weißen Steinen Wladimir
Kramnik heraus, Liem Le Quang trifft auf Georg Meier und Hikaru
Nakamura auf Anish Giri. Die Partien beginnen um 15 Uhr. Spielort ist
das Schauspielhaus Dortmund.
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