| Wladimir Kramnik kurz vor seinem 10. Turniersieg in Dortmund |
Wladimir Kramnik kurz vor seinem 10. Turniersieg in DortmundWladimir Kramnik gewann in der 7. Runde des Sparkassen Chess-Meetings 2011 gegen Georg Meier und steht kurz vor seinem 10. Turniersieg beim prestigeträchtigsten Schachturnier Deutschlands. Der 36-jährige Russe startete die Partie mit dem Königsspringer auf das Feld f3. Der 23-jährige Meier wählte eine Variante der englischen Eröffnung und konnte mit der ersten Hälfte des Spielverlaufs zufrieden sein. Im Mittelspiel zeigte der Ex-Weltmeister aber seine Klasse. Kramnik schob seine Bauern im Zentrum vor und setzte seinen Gegner unter Druck. Nach einem unbedachten Springerzug an den Rand des Brettes büßte der Trierer kurze Zeit später einen Bauern ein. Die Verteidigung brach zusammen und die weißen Figuren strömten in die schwarze Stellung. Nach 49 Zügen gab der Deutsche auf. Hier die entscheidenden Momente dieser Partie. Kramnik,Wladimir (2781) - Meier,Georg (2656) [A13]
39. Sparkassen Chess-Meeting 2011 Dortmund (7), 28.07.2011 1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.g3 a6 4.Sc3 d5 5.cxd5 exd5 6.Lg2 Le7 7.0-0 0-0 8.d4 c6 9.Se5 a5 10.Lf4 Lf5 11.Db3 Ta7 12.Tfd1 Sbd7 13.Tac1 h6 14.a3 Db6 15.Dxb6 Sxb6 16.f3 Te8 17.e4 Lh7 18.Le3 Taa8 19.Lf2 Tad8 20.Te1 Lf8 21.h3 dxe4 22.fxe4 Sfd7 23.Sd3
23...Sc4 23...f6! mit der Idee ...Lg6 und ...Lf7 wäre gut gewesen, um den weißfeldrigen Läufer zu aktivieren. Stattdessen stelle ich die Stellung innerhalb weniger Züge ein (Meier). 24.Te2 Sb8?! Das ist ein strategischer Fehler. Es macht wenig Sinn, die Figuren auf ihre Ausgangsfelder zurückzuziehen. Schwarz wird langsam zusammengeschoben (Meier). 25.Sa4 Hier wollte ich beinahe schon aufgeben (Meier). 25...Sd6 26.Sdc5 Te7 27.Sb6 Sc8 28.Sc4 b6 29.Sb3 a4 30.Sbd2 Tb7 31.e5 Sa7 32.d5!
Nach diesem Zug sieht auch der Computer Weiß deutlich in Vorteil. 32...Lc5 32...cxd5 33.Sxb6 und Schwarz verliert forciert entweder den a4 oder den d5-Bauern. 33.Lxc5 bxc5 34.e6! Den Rest spielt Kramnik mit beeindruckender Technik zu Ende. 34...Kf8 35.Sa5 Tc7 36.Txc5 fxe6 37.dxc6 Ke7 38.Sdc4 Td1+ 39.Kh2 Ld3 40.Te3 Lxc4 41.Txc4 Td2 42.Tce4 Sbxc6 43.Txe6+ Kf7 44.Sc4 Tc2 45.Sd6+ Kg8 46.h4 g5 47.Sf5 gxh4 48.Kh3 Tc5 49.Tg6+ 1-0
Anish Giri feierte einen Start-Ziel-Sieg gegen Ruslan Ponomariov. Mit seinem Sekundanten Vladimir Chucelov hatte er vor dem Turnier in einer aktuellen Variante des Damengambits einen starken neuen Zug gefunden. Das Opfer dieser häuslichen Arbeit war Ponomariov. Der 27-jährige Ukrainer lief aus der Eröffnung heraus einem Bauern hinterher. Es entstand ein Doppelturmendspiel, das der 17-jährige Holländer sauber vortrug. Am Ende lief der a-Bauer zur Dame. Dagegen gab es keine Verteidigung. Giri,Anish (2701) - Ponomariov,Ruslan (2764) [D37]
39. Sparkassen Chess-Meeting 2011 Dortmund (7), 28.07.2011 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 5.Lf4 0-0 6.e3 Sbd7 7.a3 c5 8.cxd5 Sxd5 9.Sxd5 exd5 10.dxc5 Sxc5 11.Le5 Lg4 12.Le2 Lxf3 13.Lxf3 Lf6 14.Lxf6 Dxf6
15.Dc2!N Diese Neuerung ist eine Verbesserung der Partie Mamedyarov-Kramnik, die letztes Jahr in Dortmund gespielt wurde. 15.0-0 Tfd8 16.Tc1 Se6 17.Db3 d4 18.Dxb7 Tab8 19.Dxa7 Txb2 20.Da6 g6 21.a4 Kg7 22.a5 De5 23.Da7 d3 24.Tb1 Txb1 25.Txb1 Sg5 26.Db6 Sxf3+ 27.gxf3 Dd5 28.Dd4+ Dxd4 29.exd4 Txd4 30.Td1 Ta4 31.Txd3 Txa5 ½-½ Mamedyarov,S (2761)-Kramnik,W (2790)/Dortmund 2010 15...Tac8 16.Lxd5 Tfd8 17.Td1 De5 18.Dc4 b5 19.Da2 Td7 20.0-0 Sa4 21.Lb3 Tdc7 22.Td4 Sb6 23.Tfd1 g6 24.Db1 Kg7 25.g3 Sc4 26.Kg2 Df6 27.Lxc4 bxc4 28.De4 Te7 29.Dd5 c3 30.bxc3 Txc3 31.Tf4 Dc6 32.Dxc6 Txc6 33.Tdd4 Tc2 34.Td5 h5 35.Ta5 Tb7 36.h3 Ta2 37.Tfa4 Tbb2 38.Tf4 Tb7 39.g4 hxg4 40.hxg4 Tc7 41.Kg3 Tb2 42.g5 Tb1 43.Kg2 Tb2 44.Tfa4 Tcc2 45.Tf4 Tb7 46.Kg3 Tc1 47.Td4 Tb2 48.Tf4 Tb7 49.Td4 Tb2 50.f3
Vielleicht die entscheidende Stellung in diesem Endspiel. Schwarz gibt den a- für den e-Bauern und landet in einem verlorenen Turmendspiel, da er den Vormarsch des weißen Freibauern auf der a-Linie nicht verhindern kann. 50...a6?! 51.Txa6 Tb5 52.f4 Tb3 53.Te4 Tcc3 54.a4 Txe3+ 55.Txe3 Txe3+ 56.Kf2 Ta3 57.Ta7 Kf8 58.a5 Ke8 59.a6 Kf8 60.Ke2 Ke8 61.Ta8+ Kd7 62.a7 Kc6 63.Tc8+ Kb7 64.Tf8 1-0
Hikaru Nakamura und Liem Le Quang spielten remis. In dieser Partie kam das slawische Damengambit auf das Brett. Der 20-jährige Vietnamese entwickelte im Mittelspiel einigen Druck gegen die weiße Stellung. Nach eigener Aussage ließ Le Quang aber einige Chancen ungenutzt. Der 23-jährige Amerikaner befreite sich aus der Umklammerung und wickelte in ein Turmendspiel ab, das die Spieler kurze Zeit später remis gaben.
Im Helmut-Kohls-Turnier sorgt Matthias Blübaum (Foto unten) für Furore. In der sechsten Runde besiegte er Thomas Michalczak und liegt mit 4,5 Zählern dank besserer Zweitwertung vor dem punktgleichen Robin van Kampen in Front. Damit hat der 14-jährige Lemgoer schon drei Runden vor Schluss seine 2. IM-Norm sicher. Blübaum gilt als eines der größten Talente in Deutschland und gehört der "Prinzengruppe" an, einem Team von jungen Spielern, die vom Deutschen Schachbund besonders gefördert werden. In Dortmund wird er täglich von seinem Vater begleitet, der ihn auch für die jeweilige Runde vorbereitet. Mit so einem starken Abschneiden hatten vor dem Turnier wohl nur Insider gerechnet.
Am Freitag, den 29. Juli, findet die achte Runde des Sparkassen Chess-Meetings statt. Liem Le Quang fordert Wladmir Kramnik heraus, Georg Meier trifft auf Anish Giri und Ruslan Ponomariov auf Hikaru Nakamura. Die Partien beginnen um 15 Uhr. Spielort ist das Schauspielhaus Dortmund. |
