| Wladimir Kramnik mit „Rekord für die Ewigkeit“ |
Wladimir Kramnik mit „Rekord für die Ewigkeit“
Wladimir Kramnik
gewann zum 10. Mal das Sparkassen Chess-Meeting. Der 36-jährige
Russe stellte damit einen Rekord für die Ewigkeit auf. Kein Spieler
konnte das bedeutendste Schachgroßmeister-Turnier Deutschlands nur
annähernd so oft gewinnen. Seinen ersten Sieg feierte der
Ex-Weltmeister 1995 als 20-jähriger. Sechzehn Jahre später stellte
er einen Rekord auf, der wahrscheinlich niemals gebrochen wird. Die 10. Runde des Sparkassen Chess-Meetings war wie das gesamte Turnier sehr hart umkämpft und endete mit einer Überraschung. Wladimir Kramnik verlor gegen Hikaru Nakamura. Gegen die Königsindische Verteidigung des Amerikaners ließ sich der Turniersieger auf eine taktikgeladene Variante ein. Durch sein beeindruckendes Auftreten in Dortmund vielleicht beflügelt, opferte Kramnik im 22. Zug einen Springer für zwei Bauern am Königsflügel. Das Opfer war sehr riskant, denn ein gewinnbringender Angriff gegen den schwarzen König war nicht in Sicht. Stattdessen musste der Russe sehr genaue Züge finden, die ihm vielleicht ein Remis gesichert hätten. Aber er spielte weiter auf Angriff. Der 23-jährige Nakamura wehrte alle Drohungen ab und gewann am Ende dank seines Materialvorteils. Kramnik,Wladimir - Nakamura,Hikaru [E97]
39. Sparkassen Chess-Meeting 2011 Dortmund (10), 31.07.2011 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Sf3 0-0 6.Le2 e5 7.0-0 Sc6 8.d5 Se7 9.b4 Sh5 10.c5 Sf4 11.a4 f5 12.Lc4 fxe4 13.Sxe4 h6 14.Te1 Lg4 15.Ta3 g5 16.h3 Lh5 17.Lxf4 Txf4 18.g3 Tf8 19.a5 Kh8 20.Kg2 Tb8 21.Dd2 b6 22.axb6 axb6
23.Sfxg5?! Kramnik spielt im Gefühl des sicheren Turniersieges für die Galerie. Das Opfer ist objektiv betrachtet zweifelhaft. 23...hxg5 24.Dxg5 Lg6 25.cxd6 cxd6 26.Ta7 Tc8 27.Txe7 Txc4 28.f3 Tc2+ 29.Kg1 Tc8 30.Ta1 Tf7 31.Dxg6 Dxe7
32.Sg5?! 32.Sxd6 Tcf8 33.Sxf7+ Dxf7 34.Dxf7 Txf7 35.Kg2 bot Weiß Rettungschancen. Jetzt setzt sich Schwarz dank des Materialvorteils durch. 32...Kg8 33.Dh7+ Kf8 34.Se6+ Ke8 35.Dh5 Lf6 36.g4 Db7 37.Td1 Da6 38.Dg6 Ke7 39.g5 Lh8 40.Te1 Da3 41.Sd4 Dxb4 42.Sf5+ Kf8 43.Td1 Tc2 44.Sd4 exd4 45.Dxc2 Dc3 46.De4 De3+ 47.Dxe3 dxe3 48.Kg2 Lc3 49.Kf1 Txf3+ 50.Ke2 Txh3 0-1
Die Partie zwischen Liem Le Quang und Anish Giri endete remis. Die Spieler folgten einer langen und bekannten Variante in der Damenindischen Verteidigung. Keiner der beiden schaffte es, die Symmetrie der Stellung zu seinem Gunsten zu brechen. Der 20-jährige Vietnamese genoss zwar bis zum Schluss seinen Anzugsvorteil, doch sein 17-jähriger Gegner aus Holland verteidigte sich fehlerlos. Das Remis durch dreimalige Stellungswiederholung nach 38 Zügen war folgerichtig.
Die Partie zwischen Georg Meier und Ruslan Ponomariov endete ebenfalls unentschieden. Die Spieler wählten eine Variante der Englischen Eröffnung. Nach der Eröffnung schien Meier durch seine bessere Entwicklung einen kleinen positionellen Vorteil erreicht zu haben, doch der 27-jährige Ukrainer erlaubte sich keinen Fehler. Die Partie glitt langsam aber sicher in ein Endspiel ab, das keinem der beiden Spieler Chancen auf den Sieg bot. Die Partie wurde durch dreimalige Stellungswiederholung nach 44 Zügen remis gegeben. Stimmen der Spieler zum Turnier Wladimir Kramnik:
Als ich das Turnier das siebte oder achte Mal gewonnen hatte, war es ein gutes Gefühl, aber ein Mal mehr oder weniger ist nicht wirklich von Belang. Dieses Mal war es aber bedeutend, weil es eine schöne runde Zahl ist. Es ist auch schön, weil Kasparow neun Mal in Linares gewonnen hat und jetzt kann ich sagen, dass ich in diesem Kontext klar vorne liege. Es ist schön ein Turnier so oft zu gewinnen. Mein Ziel war es schon vor zwei Jahren die „Zehn“ voll zu machen und es war klar, dass ich es so lange versuche, bis ich das Ziel erreiche. Es ist schön, dass ich es geschafft habe. Es ist auch ein gutes Gefühl, weil ich mit meinem Spiel sehr zufrieden bin. Sogar meine heutige Partie gegen Nakamura war sehr interessant. Ich denke, dass ich während des Turniers sehr konzentriert war und ich bin sehr zufrieden mit meinem Spiel und meinem Resultat. Wenn ich die letzte Partie gewonnen hätte, was im Bereich des Möglichen lag, wäre es ein absolutes Ausnahmeresultat gewesen. Aber auch so ist das Ergebnis hervorragend. Um präzise zu sein. Ich habe in Dortmund sogar elf Mal gewonnen. Und zwar gewann ich das Open 1992. Das Hauptturnier gewann ich natürlich zehn Mal. Es ist immer etwas besonderes nach Dortmund zu kommen. Ich fühle mich sehr wohl hier. Ich mag die Stadt, das Turnier und insbesondere den Spielort. Es ist auch sehr schön, dass ich hier so viele Bekanntschaften habe und dass die Leute meine Partien verfolgen. Das ist für mich immer eine zusätzliche Motivation. Ich wäre sehr glücklich, wenn ich nächstes Jahr bei der 40. Auflage wieder dabei sein könnte. Liem Le Quang:
Das Turnier ist auf einem hohen Niveau organisiert und die Spieler sind sehr stark. Ich bin glücklich, dass ich die Chance hatte, hier teilzunehmen. Ich denke, dass ich in diesem Turnier recht gut gespielt habe. Ich bin sehr zufrieden mit dem zweiten Platz. Für mich ist es ein gutes Resultat, da ich nur die Nr. 4 der Setzliste war. Ich freue mich auch über meinen Elogewinn. Ich wünschte aber, dass ich an manchen Stellen besser gespielt hätte. Ruslan Ponomariov: ![]() Nachdem ich letztes Jahr gewann, ist eigentlich jedes andere Resultat schlecht. Es war ein schwieriges Turnier für mich, weil ich drei Partien verloren habe, was einfach zu viel ist. Natürlich bin ich mit meinem Ergebnis nicht zufrieden, aber es ist auch nicht einfach, bei so starken Turnieren immer gut zu spielen. Mann muss immer hart arbeiten und immer wieder neue Ideen finden. Vielleicht habe ich auch nicht alles getan, um hier erfolgreich zu sein. Es lag vielleicht auch daran, dass ich dieses Jahr wegen der Mannschafts-WM keinen Sekundanten dabei hatte. Letztes Jahr sekundierte mir Zahar Efimenko und er hat mir sehr geholfen. Man muss auch sagen, dass Wladimir Kramnik sehr gut vorbereitet war in diesem Turnier. Ich versuchte ihn in unserer 1. Partie mit Königsindisch zu überraschen, aber er hat besser gerechnet. Die anderen Spieler zeigten einfach nicht so viel Engagement wie er. Anish Giri:
Ich habe viele Chancen ungenutzt gelassen, hatte aber auch einige gute Momente. So gesehen war es ein durchschnittliches Turnier mit Höhen und Tiefen. Insgesamt bin ich mit meinem Resultat trotzdem zufrieden, auch wenn ich von mir selbst etwas mehr erwarte. Aber ich werde daran arbeiten. Ich denke, dass ich die zweite Partie gegen Ruslan Ponomariov gut gespielt habe. Gegen Nakamura hatte ich ein gewonnenes Endspiel, sah sogar die Gewinnvariante, aber wählte einen anderen Weg, weil ich dachte, dass er sicherer ist. Meine Niederlage gegen Ponomariov in der Hinrunde war seltsam. Auf diesem Niveau darf man so eine Stellung nicht verlieren. In meiner zweiten Partie gegen Georg Meier stand ich natürlich gut, aber ich sah dieses ...Tc6 nicht. Danach war es nicht einfach. Ich hab viele Möglichkeiten verpasst, aber das macht nichts. Wenn ich mein bestes Schach spiele, dann kann ich auf jeden Fall gegen jeden Spieler der Welt mithalten. Hier war mein Niveau nicht so gut, aber einige der anderen Spieler waren auch nicht gut drauf. Wenn man die Partien von Nakamura sieht oder Ponomariov, der einige Schwächen zeigte. Es ist normal, dass die Spieler Fehler machen im Schach. Kramniks Vorbereitung war die mit Abstand beste in diesem Turnier, das muss man einfach sagen. Mit meiner Vorbereitung bin ich eigentlich ganz zufrieden. Ich gehe noch zwei Jahre zur Schule, die ich auf jeden Fall abschließen möchte. Danach werde ich mich entscheiden, ob ich studieren oder vielleicht Profi werde. In diesem Moment macht es mir sehr viel Spaß, Schach zu spielen, aber ich muss mir keine Extra-Kopfschmerzen bereiten, indem ich mich ständig frage, ob ich Profi werde oder nicht. Hikaru Nakamura:
Für mich war es ein sehr schwieriges Turnier. Es fing schon mit meiner Partie gegen Anish Giri an, die ich beinahe verloren hätte. In der Mitte des Turniers vergaß ich, wie man Schach spielt. Es waren enttäuschende Niederlagen dabei gegen Ruslan Ponomariov und Wladimir Kramnik. Zu diesem Zeitpunkt war es sehr hart, mich zu motivieren und besser zu spielen. Als ich gegen Ponomariov in der zweiten Hälfte verlor und bei minus drei war, war es fast schon deprimierend. In den letzten beiden Partien habe ich mich kaum noch vorbereitet. Ich wollte einfach nur Schach spielen und glücklicherweise gewann ich diese Partien. Insgesamt war es kein gutes Turnier, aber wenigstens endete es mit einem netten Beigeschmack. Georg Meier:
Zusammenfassend kann ich sagen, dass alles schief gelaufen ist, was schief laufen konnte. Sogar wenn ich gut spielte und es um das Verteilen der Punkte ging, stellte ich irgendwann etwas ein. Jetzt bin ich total erschöpft. Ich habe den Eindruck, dass ich nach den drei sehr langen Partien zwischen den Runden drei und fünf (6,5/6,5/8 Stunden) mich nicht mehr richtig regenieren konnte. In der zweiten Hälfte fing ich auch noch an schlecht zu spielen. Gut, es ist natürlich eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, denn zehn Partien auf diesem Niveau, wo mich jeder schlagen will, das ist psychologisch eine ganz neue Situation und deshalb braucht es auch so viel mehr Energie. Schade ist natürlich, dass ich diese Erfahrung bei einem zweiten Turnier dieser Art wohl nicht nutzen kann. Aber ich denke, das bringt mich insgesamt schon weiter.
Das Helmut-Kohls-Turnier wurde eine sichere Beute von Robin van Kampen. Der 16-jährige Holländer gewann mit 6,5 Punkten aus neun Partien. Mit diesem Ergebnis sicherte sich van Kampen gleichzeitig seine dritte GM-Norm und wird beim nächsten FIDE-Kongreß zum Großmeister ernannt.
Den zweiten Platz belegte Mihail Saltaev mit sechs Punkten. Der Uzbeke, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt, spielte sehr solide. Er gewann drei und remisierte sechs Partien. Aus deutscher Sicht war das Abschneiden von Matthias Blübaum erfreulich. Der 14-jährige Lemgoer erzielte ebenfalls sechs Punkte und übererfüllte seine zweite IM-Norm um 1,5 Punkte.
Das Sparkassen A-Open gewann Mikhail Zaitsev mit 7,5 Punkten aus neun Partien. Der einzige Titelträger im Feld gab nur drei Remis ab und gewann den Rest. Im B-Open gewann der Jugendliche Julian Eigemann. Alle Infos zu den offenen Turnieren findet man auf der offiziellen Website. Zum Sparkasssen Chess-Meeting 2011 zog Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe zufrieden Fazit: Das 39. Sparkassen Chess-Meeting ist nach zehn spannenden Turniertagen nun zu Ende. Eine Gelegenheit für Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe, die Ereignisse in einer Bilanz zusammenzufassen. Mit seinem zehnten Sieg beim Dortmunder Sparkassen Chess-Meeting seit 1993 hat Wladimir Kramnik nach heutiger Einschätzung einen „Rekord für die Ewigkeit“ aufgestellt. Sein sensationelles Auftreten beim Dortmunder Turnier der Super-Großmeister wird fraglos in die Schachgeschichte eingehen. Zum Vergleich: Garri Kasparow hat Linares achtmal gewonnen, Visvanathan Anand siegte fünfmal in Wijk aan Zee. Über allen thront Wladimir Kramnik, der Schachgigant aus Russland. Etwa 200.000 Schachinteressenten in aller Welt haben das diesjährige Turnier der Super-Großmeister im Rahmen des 39. Sparkassen Chess-Meetings allein auf der Veranstalter-Homepage im Internet verfolgt. Die um eine Viertelstunde zeitversetzte „Live-Übertragung“ hat alle bisherigen Rekorde gebrochen und liegt deutlich über den Zahlen des vergangenen Jahres. Auch mit der Resonanz „vor Ort“ kann man sehr zufrieden sein: 3.000 Schachfans besuchten das Großmeisterturnier und das Helmut-Kohls-Turnier im Schauspielhaus und die beiden Offenen Turniere im Rathaus. Diese Gesamtbilanz ist weltweit einmalig. Erfreulich war, dass Herbert Bastian, der vor wenigen Wochen gewählte neue Präsident des Deutschen Schachbundes, zur Eröffnung kam und in Dortmund praktisch seine „Regierungserklärung“ mit einem klaren Bekenntnis zum Schach als Leistungssport abgab. Als besonders attraktiv für die Besucherinnen und Besucher hat sich das „Remis-Verbot“ herauskristallisiert. Die Partien waren durchgängig umkämpft, wobei die achteinhalb Stunden, die Georg Meier und Hikaru Nakmura für ihre 150 Züge umfassende Auseinandersetzung brauchten, „Veranstaltungsrekord“ bedeuteten. Zu den Pressebeobachtern gehörten erneut auch viele internationale Journalisten. So berichtete z. B. „ntv plus Russland“ täglich vom Geschehen in Dortmund. Auch die zweite Auflage der Autogrammstunde der sechs Schach-Superstars im Kundenzentrum der Sparkasse war wieder ein voller Erfolg. Über 150 Autogrammjäger holten sich die begehrten Unterschriften von Kramnik und Co. Eine gute qualitative Entwicklung nimmt weiterhin das Helmut-Kohls-Turnier. Die beiden „Offenen Turniere“ im Rathaus vereinigten erneut 225 Spielerinnen und Spieler am Brett mit den „magischen“ 64 Feldern.
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