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Vachier-Lagrave spielt gegen Kramnik remis und kommt pünktlich zum EM-Finale

Beim Sparkassen Chess-Meeting waren heute alle Augen auf das Brett von Wladimir Kramnik und Maxime Vachier-Lagrave gerichtet. Der russische Exweltmeister traf in der zweiten Runde mit den schwarzen Steinen auf Maxime Vachier-Lagrave (Frankreich). Dieser hatte am ersten Spieltag als Nachziehender den Titelverteidiger Fabiano Caruana (USA) geschlagen und damit für den ersten Paukenschlag im Turnier gesorgt. Nun führte der Franzose die weißen Figuren. Würde er wieder auf Sieg spielen? Er versuchte es!

 

MVL Kramnik

Handshake zwischen Kramnik und MVL

 

Zur Auftaktpressekonferenz hatten beide Schachstars nebeneinander gesessen, mit einem feinen Lächeln im Gesicht. Der Seriensieger Wladimir Kramnik ist zum 22. Mal in Dortmund, zehnmal hat er das Superturnier in "seinem Revier" schon gewonnen. Neuling Maxime Vachier-Lagrave hingegen feiert seine Premiere beim Chess-Meeting, aber kommt als Weltranglisten-Vierter ebenfalls mit großen Ambitionen. Er zeigte dies schon in der ersten Runde. Nachdem Maxime mit Fabiano Caruana bereits einen ganz großen Brocken weggeräumt hat, ist ihm in diesem Turnier noch vieles zuzutrauen. In der virtuellen Weltrangliste hat Vachier-Lagrave nach seinem Startsieg auch die 2800-er ELO-Schallmauer überwunden, es ist nun ein Trio in Dortmund!
Doch am heutigen Sonntagabend will er natürlich auch sehr gern das EM-Endspiel der Equipe Tricolore gegen Portugal sehen. Zum Frühstück im Spielerhotel erschien MVL, wie er kurz und knapp in der Schachszene genannt wird, schon mal mit einem Fußballtrikot. Vor dem Rasenschach um 21 Uhr in Paris hatten die Götter allerdings den Schweiß der Partie in Dortmund gesetzt. Wladimir und Maxime betonten auf meine Frage hin unisono, kein schnelles Remis schieben zu wollen, sondern am Brett zu kämpfen, um zu sehen, was geht. Zur Fußballübertragung komme man noch früh genug, sagte Kramnik, dessen Sympathien im EM-Finale ebenfalls Le Bleus gelten; schließlich hat der jetzige Wahl-Schweizer viele Jahre in Paris gelebt und eine französische Ehefrau.

 

Vachier Lagrave Kramnik

Kramnik-MVL

Und sie kämpften die Partie aus. MVL eröffnete das Spiel mit dem Königsbauern, worauf Kramnik in dem Spanier wie schon zum Turnierbeginn gegen Dominguez die Berliner Verteidigung wählte. Schnell wurden die Eröffnungszüge absolviert, alles war zu Hause vorbereitet. Im Partieverlauf wurden fast alle Figuren abgetauscht, so dass sich ein Endspiel mit je einem Turm und Springer ergab. Der französische Großmeister konnte einen Freibauer auf der h-Linie bilden, Kramnik hatte einen (doppelten) Mehrbauer am Damenflügel. Geschickt dirigierte Vachier-Lagrave in der Folge seine kleine Armee, um den Infanteristen am Königsflügel zur Geltung zu bringen. Er manövrierte den Russen in eine schwierige Lage, so dass dieser ins tiefe Grübeln versank. Für seinen 39. Zug benötigte Kramnik eine halbe Stunde. Nachdem Schwarz die Zeitnotphase überstanden hatte, investierte jetzt MVL einige Zeit, um einen Gewinnweg zu finden, schaffte es aber gegen seinen erfahrenen Gegner nicht. Kramnik konnte sich befreien, so dass seinem Gegner nur noch Dauerschach blieb. Im 51. Zug wurde die Friedenspfeife geraucht, . Mit 1,5 Punkten aus zwei Partien gegen die stärksten Kontrahenten liegt Maxime Vachier-Lagrave bei seiner Premiere in Dortmund voll im Plan.

 

Ponomarjow Najer

Ponomraiov-Najar

Der Ukrainer Ruslan PonomarIOC gewann gegen den Russen Jewgeni Najer. In einer Slawischen Partie besaß er einen Mehrbauern im Turmendspiel und konnte diesen nach ungenauem Spiel seines Gegners verwerten. Damit führt der Dortmund-Sieger von 2010 gemeinsam mit Vachier-Lagrave (je 1,5 Punkte) die Tabelle an.

 

Caruana Nisipeanu

Nisipeanu-Caruana

Vorjahressieger Fabiano Caruana spielte mit Weiß gegen Liviu-Dieter Nisipeanu, der die Caro-Kann-Verteidigung aufs Brett brachte. Der DSB-Spieler sagte nach der Partie: "Ich vertraue auf diese Eröffnung, es ist mein Haupt-Partieanfang gegen starke Spieler. Sicher stand Fabiano angenehmer und ich etwas unter Druck. Doch irgendwie konnte ich die Stellung immer im Gleichgewicht halten." Das Spiel endete remis.

 

Buhmann Dominguez

Dominguez-Buhmann

Rainer Buhmann traf heute auf den Kubaner Leinier Dominguez, der taktisch sehr viel riskierte und deshalb im Partieverlauf eine Qualität verlor. Nach seiner Startniederlage kämpfte der deutsche Großmeister lange beharrlich um den vollen Punkt. Die Partie wollte kein Ende nehmen, so schwierig war die Stellung. Noch ein Dutzend Zuschauer harrte im Saal des Orchesterzentrums NRW aus und etwa ebenso viele Menschen, die für das Turnier arbeiten. Sie verpassten damit die erste Halbzeit des EM-Finales im Fußball. Nach knapp sieben Stunden Spielzeit hatte Rainer es trotz aller Bemühungen nicht geschafft, den hartnäckigen Widerstand  seines Gegners aus der Karibik zu brechen. Remis nach 77 Zügen!

Am Montag ist Ruhetag. Die dritte Runde des Sparkassen Chess-Meetings findet am Dienstag statt.

Text und Fotos: Dagobert Kohlmeyer