Teilnehmer

Wladimir Kramnik
Russland, geb. am 25.06.1975

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Ohne Wladimir Kramnik wäre eine Ausrichtung des Sparkassen Chess-Meetings kaum noch denkbar. Überragende acht Mal gewann der 34-jährige Russe das bedeutendste Großmeisterturnier Deutschlands. Seit Anfang der neunziger Jahre gehört der Mann aus Tuapse zu den besten Spielern der Welt. Von 2000 bis 2007 war er Schachweltmeister.

Sein außerordentliches Talent zeigte Wladimir schon im Alter von 16 Jahren als er die U18-Weltmeisterschaft gewann. Ein Jahr später wurde er, auf Empfehlung Kasparows, ins Nationalteam berufen und trug mit herausragenden 8,5 aus 9, dem besten Resultat aller Teilnehmer am vierten Brett, dazu bei, dass Russland bei der Schacholympiade in Manila Gold gewann. Im gleichen Jahr verlieh ihm die FIDE den Großmeistertitel. Nach zahlreichen Erfolgen in den 90er Jahren, worunter die viermalige Siegesserie bei den Dortmunder Schachtagen herausragt, kam 2000 sein bis dahin größter Auftritt.

In einem legendären Match um die Schachweltmeisterschaft besiegte er Garri Kasparow in London mit 8,5-6,5 und wurde 14. klassischer Schachweltmeister. In diesem Wettkampf zeigte sich Kramnik physisch und mental top vorbereitet. Er hielt allen Angriffsversuchen Kasparows stand und verlor keine Partie. Durch diesen Sieg ging gleichzeitig die große Ära Kasparows zu Ende. Seinen WM-Titel verteidigte der Russe im Jahr 2004 gegen Peter Leko. Nach spannendem Kampfverlauf bewies der Figurenkünstler Nervenstärke und gewann die letzte und entscheidende Partie zum Gleichstand von 7 zu 7. Zwei Jahre später folgte das nicht minder spannende Match gegen Weselin Topalow. Nach turbulentem Kampfverlauf und einem nervenaufreibenden Tiebreak konnte Kramnik seine Schachkrone verteidigen, die er allerdings beim WM-Turnier ein Jahr später in Mexiko an Viswanathan Anand abtreten musste.

Obwohl Kramnik im vergangenen Herbst bei der Schachweltmeisterschaft in Bonn gegen den Inder erneut das Nachsehen hatte, war 2008 ein besonderes Jahr für ihn. Sein privates Eheglück mit Marie-Laure, er lebt mit der französischen Journalistin seit Jahren in Paris, wurde durch die Geburt der gemeinsamen Tochter komplettiert. Nach einer längeren Pause ist das Sparkassen Chess-Meeting nun das erste große Turnier, an dem der Russe teilnimmt. Es könnte gleichzeitig der Startpunkt für einen neuen Anlauf auf die WM-Krone sein.

Peter Leko
Ungarn, geb. am 08.09.1979

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Als Titelverteidiger geht bei der 37. Auflage der Dortmunder Schachtage Peter Leko ins Rennen. Nach 1999 und 2002 gewann der ungarische Großmeister 2008 zum dritten Mal das prestigeträchtigste Turnier Deutschlands. Die Reviermetropole ist wie eine zweite Heimat für Leko. Hier trat er schon als 11-jähriger in Erscheinung, hier feierte er große Erfolge und hier lernte er seine Frau Sofia kennen.

Seit über zehn Jahren gehört Leko zu den Top Ten der Weltrangliste, eine Konstanz die ihresgleichen sucht. Er gilt innerhalb der Weltspitze als großer Verteidigungskünstler, der nur sehr schwierig zu besiegen ist. Seine seltenen Niederlagen verdankt er neben seinem schachlichen Können seiner Fitneß. Wenn er ausnahmsweise nicht über neue Varianten brütet, findet man den schlaksigen Mann nicht selten auf dem Fußball- oder Tennisfeld wieder. Die dadurch gewonnene Kraft braucht der 30-jährige, um seine immer jüngeren Konkurrenten in Schach zu halten und seinen Traum vom Weltmeistertitel doch noch wahr werden zu lassen. 2004 war er schon sehr nah dran. Beim Weltmeisterschaftskampf gegen Wladimir Kramnik in Brissago hätte ihm ein Unentschieden in der letzten Partie gereicht, doch der Russe glich zum 7:7 aus, ein Ergebnis das Kramnik zur Titelverteidigung genügte.

2009 könnte für den Mann aus Szeged wegweisend sein. Schafft er es noch mal einen Gang zuzulegen und einen neuen Anlauf auf die WM-Krone zu nehmen, oder werden ihn die vielen nachrückenden jungen Spieler langsam aber sicher einholen? Die Formkurve scheint nach oben zu zeigen. Beim kürzlich zu Ende gegangenen Fide Grand Prix in Naltschik zeigte er sich hervorragend präpariert und belegte
hinter dem armenischen Star Lewon Aronian einen ausgezeichneten 2. Platz. Nach diesem Turnier ist das Sparkassen Chess-Meeting Lekos zweiter großer Auftritt in diesem Jahr. Seine zahlreichen Fans im Ruhrgebiet sind gespannt, ob der Ungar seine Leistung von Naltschik bestätigen kann.

Magnus Carlsen
Norwegen, geb. am 30.11.1990

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Der Norweger ist das größte Schachtalent der Gegenwart. Seit einigen Jahren zählt Magnus Carlsen schon zur Weltelite der Denksportler. Der junge Schachprofi errang den Großmeistertitel mit 13. Früher (im Alter von 12 Jahren) schaffte das nur Sergei Karjakin aus der Ukraine. Karjakin spielte 2004 in Dortmund. Die Experten halten Carlsen aber für talentierter. Vor zwei Jahren startete der norwegische Großmeister zum ersten Mal im Revier, blieb dabei jedoch unter seinen Möglichkeiten.

Als jüngster WM-Anwärter aller Zeiten kämpfte Magnus 2007 im Kandidatenturnier von Elista um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Mexiko. Dort unterlag er dem routinierten Armenier Lewon Aronjan nur knapp im Tiebreak. In der Folgezeit sammelte Carlsen bemerkenswerte Turniererfolge, darunter 2007 in Biel und 2008 in Wijk aan Zee. Beim Chess Masters in Bilbao wurde er im letzten September Zweiter hinter dem Bulgaren Weselin Topalow. In der Schachbundesliga spielt Carlsen beim deutschen Meister OSG Baden-Baden.

Seine erstaunlichen Ergebnisse haben Kenner weniger überrascht, denn die Fähigkeiten von Magnus sind ungewöhnlich. Schon mit fünf Jahren kannte er alle Länder der Erde mit ihren Hauptstädten, Bevölkerungszahlen und Flaggen auswendig. Im gleichen Alter brachte ihm sein Vater Schach bei. Damals machten dem Jungen Fußball und Skifahren noch mehr Spaß. Erst mit acht Jahren siegte seine Leidenschaft für Türme, Läufer und Springer. Aus Büchern spielte er sämtliche Partien in Gedanken nach. Bald schlug er Meister, Großmeister und 2004 beinahe den Größten. Bei einem Turnier in Reykjavik konnte sich Garri Kasparow gegen ihn nur mit Mühe ins Remis retten. Entzückt nannte die „Washington Post“ Carlsen den Mozart des Schachs.

Keine Frage, dieser junge Mann will auf den Schacholymp. „Er wird mit jedem Tag stärker“ meint Weltmeister Viswanathan Anand voller Anerkennung über seinen möglichen Nachfolger. Viele sehen in Magnus den kommenden Schachkönig. Auch der achtfache Dortmund-Gewinner Wladimir Kramnik wurde schon von ihm besiegt. Kasparow hat vor vier Jahren die Schachbühne verlassen. Carlsen schickt sich an, sein Nachfolger zu werden. Wie wird der Jungstar mit dem tiefen strategischen Blick sich dieses Jahr in Dortmund verkaufen?

Dimitri Jakowenko
Russland, geb. am 28.06.1983

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Der russische Großmeister feiert seine Premiere in Dortmund. Dimitri Jakowenko ist ein interessantes Gesicht aus dem unerschöpflichen Reservoire der Schachnation Nr. 1. Er stammt aus dem sibirischen Tjumen und spielt Schach seit seinem dritten Lebensjahr! Mit 14 war Dimitri Internationaler Meister, 2001 gewann er die U18-Jugendweltmeisterschaft.

Inzwischen ist Jakowenko 26 Jahre alt und kein unbeschriebenes Blatt mehr. In den 1990er Jahren ging er bei Alexander Nikitin, Kasparows langjährigem Trainer, in die Lehre. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. 2002 siegte er in Pardubice, 2005 überlegen in Montreal, im gleichen Jahr holte er die Silbermedaille bei der russischen Landesmeisterschaft. 2006 wurde er Meister von Moskau, dann folgte das zweite Silber bei der nationalen Meisterschaft. Jakowenko war sogar Sieger nach Feinwertung, unterlag aber im Schnellschach-Finale Jewgeni Alexejew. 2007 teilte er den zweiten Platz beim Corus B-Turnier in Wijk aan Zee und beim Aeroflot Open in Moskau. Danach gewann er im sibirischen Poikowski mit einem Punkt Vorsprung. Ein Jahr später teilte Jakowenko an gleicher Stelle den Sieg mit seinem Landsmann Sergei Rublewski, der auch schon in Dortmund gastierte. 2008 wurde Jakowenko wieder Zweiter im Superfinale der russischen Meisterschaft, diesmal nach Stichkampf hinter Peter Swidler. Bei der Schacholympiade in Dresden war er mit 7 Punkten aus 9 Partien bester russischer Spieler. Beim FIDE Grand Prix in Elista belegte er kurz vor dem Jahreswechsel unbesiegt den geteilten 1. Rang.

Dimitris Schachkünste sind in vielen Ländern Europas gefragt. In der Bundesliga spielt er für Mülheim-Nord, in Russland für Tomsk, in Spanien für Mérida und in Frankreich für Clichy. Mit einer Elo-Zahl von 2753 liegt der Großmeister auf Platz 7 der Weltrangliste. Jakowenko hat in Moskau Mathematik studiert und ist auch auf diesem Gebiet außergewöhnlich begabt. Er musste sich zwischen einem Leben als Wissenschaftler oder Schachprofi entscheiden. Seine großartigen Turnierergebnisse haben ihm womöglich die Wahl erleichtert. Den eigenen Spielstil beschreibt Jakowenko als positionell und strategisch ausgerichtet. Schach besteht für ihn vor allem aus Kampf und sehr viel Logik.

Etienne Bacrot
Frankreich, geb. am 22.01.1983

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Zum zweiten Mal gibt der stärkste Schachspieler Frankreichs in Dortmund seine Visitenkarte ab. Im Jahre 2005 wurde Etienne Bacrot beim Sparkassen Chess-Meeting trotz eines Fehlstarts noch Zweiter hinter dem Überraschungssieger Arkadij Naiditsch. Kann er diesmal im Schauspielhaus sogar gewinnen? Mit seinem lebendigen und kreativen Schachstil hat Bacrot viele Anhänger, die ihm auf den 64 Feldern eine Menge zutrauen.

Schon mit vier Jahren erlernte der Franzose das Schachspielen. Internationale Schlagzeilen machte Etienne 1997, als er im Alter von 14 Jahren und zwei Monaten jüngster Großmeister der Welt wurde und damit Peter Leko beerbte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er im Kinder-Bereich schon etliche Meriten vorzuweisen, unter anderem den Weltmeistertitel in der Altersklasse U12. In der Folgezeit hat Bacrot unter Anleitung erfahrener Schachlehrer aus Russland hart trainiert und sich kontinuierlich weiter entwickelt. Seine Bilanz ist eindrucksvoll. Sechsmal war er französischer Landesmeister, vor vier Jahren schaffte er es auch schon in die Top Ten. Derzeit ist der sympathische junge Mann die Nr. 17 der Schach-Weltrangliste.

2005 gewann Bacrot das stark besetzte internationale Turnier im sibirischen Poikowski vor Viorel Bologan aus Moldawien, dem Dortmund-Überraschungssieger von 2003. Im Jahre 1996 spielte Etienne als 14-Jähriger zum ersten Mal für die französische Nationalmannschaft bei einer Schacholympiade. Bei seiner vierten Olympiade, in Turin 2006, gewann er eine Einzel-Bronzemedaille für seine Leistung am ersten Brett (+4, −0, =4). Beim Turnier der Nationen 2008 in Dresden erzielte Bacrot am Spitzenbrett 6,5 Punkte aus 10 Partien. In der Schachbundesliga spielt er seit vier Jahren erfolgreich für den deutschen Meister OSG Baden-Baden.

Mit dem Gewinn des diesjährigen Aeroflot-Opens in Moskau löste Etienne Bacrot die Fahrkarte zum Sparkassen Chess-Meeting in Dortmund. Der Franzose kann jedem Gegner gefährlich werden und im Konzert der Großen ausgezeichnet mitspielen, wie er jüngst beim Grand-Prix-Turnier des Weltschachbundes FIDE im kaukasischen Naltschik unter Beweis stellte.

Arkadij Naiditsch
Deutschland, geb. am 25.10.1985

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Seit 2003 vertritt Arkadij Naiditsch ununterbrochen die deutschen Farben in Dortmund. Arkadij stammt,
seine drei Schwestern widmen sich ebenfalls dem königlichen Spiel, aus einer schachbegeisterten Familie. Er erlernte das Schachspiel im Alter von fünf Jahren in seiner Geburtsstadt Riga, zog aber mit der Familie 1996 nach Dortmund. Hier hat er seinen Lebensmittelpunkt und hier wurde sein Talent über Jahre gefördert.

Sein Werdegang war vorgezeichnet und nach zahlreichen Erfolgen in seiner Jugend wurde er schon im Alter von 15 Jahren zum Großmeister ernannt. Der Lokalmatador bekam beim Superturnier in Dortmund früh die Chance sich auszuzeichnen und konnte 2005 sensationell als erster Deutscher überhaupt das bedeutendste Großmeisterturnier Deutschlands für sich entscheiden. Seit 2006 spielt er für die deutsche Nationalmannschaft und verteidigte bei den Olympiaden in Turin und Dresden
bravourös das erste Brett. Den Dortmunder zeichnet aus, dass er über Jahre kontinuierlich an seinem Spiel gefeilt hat. Die Belohnung für die harte Arbeit war das Erreichen der Elo-Zahl von 2700 Punkten im April 2009. Damit nimmt Naiditsch aktuell die Weltranglistenposition 31 ein und ist endgültig in die Elite der besten Schachspieler der Welt aufgestiegen.

National ist seine Ausnahmestellung unbestritten. 2007 gewann Arkadij die deutsche Einzelmeisterschaft und für seinen Verein OSG Baden-Baden hat er in den letzten beiden Jahren herausragende 21 Punkte aus 25 Partien in der Schachbundesliga erspielt. Gleichzeitig feierte er mit diesem Team zwei deutsche Meisterschaften. Naiditsch charakterisiert seinen Spielstil als offensiv, immer auf der Suche nach Initiative. Das brachte ihm schon zahlreiche auch gegen stärkste Gegnerschaft schöne Angriffssiege ein. Mit diesem Stil kann er auch beim Sparkassen Chess-Meeting 2009 jedem Gegner gefährlich werden. Vielleicht so gefährlich, dass er seinen Erfolg von 2005 wiederholen kann.

Alle Fotos: Dagobert Kohlmeyer



 
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