Auch am zweiten Tag sahen die Besucher des Sparkassen Chess-Meetings kampfbetonte Partien, die mit drei Siegen der Favoriten endeten. Radoslaw Wojtaszek bezwang Daniel Fridman, Ian Nepomniachtchi machte sich mit dem vollen Punkt gegen Kaido Kulaots selbst ein Geschenk und Teimour Radjabov gelang mit einem Schwarzsieg gegen Liviu-Dieter Nisipeanu ein Big Point. Nur die Spitzenpaarung zwischen Richard Rapport und Leinier Dominguez endete nach ausgeglichenem Verlauf remis.

Vlastimil Hort ist ein Dauergast in Dortmund. Der 75-jährige Großmeister aus Tschechien, der seit 1979 in Deutschland lebt, beehrt jedes Jahr das Turnier und erfreut das Organisationsteam mit seinen Anekdoten und seinem Fachwissen. Am Sonntag eröffnete Hort die zweite Runde des Sparkassen Chess-Meetings am Brett von Kaido Kulaots und Ian Nepomniachtchi. "Nepo" feierte seinen 29. Geburtstag und zeigte sich sichtlich gerührt, als die Zuschauer ihm zu Ehren ein Ständchen hielten.

Danach ließ es der russische Großmeister am Brett krachen. In der Najdorf-Variante der Sizilianischen Partie zeigte sich Nepomniachtchi besser präpariert und kam mit Vorteil aus der Eröffnung. Eine wichtige Stellung entstand schon sehr früh nach dem Vorstoß des weißen a-Bauern. Kulaots fand keinen Weg strukturellen Nachteil zu vermeiden und versuchte sich durch ein Qualitätsopfer zu befreien. Objektiv war es aber nicht ausreichend, um genug Gegenspiel zu generieren und Nepomniachtchi verwertete seinen Vorteil sehr sicher zum vollen Punkt.

Einen souveränen Sieg feierte auch Radoslaw Wojtaszek. Der polnische Großmeister war in einer wichtigen Variante des Damengambits deutlich besser vorbereitet als Daniel Fridman. "Diese Eröffnung war Teil der Vorbereitung des WM-Matches zwischen Viswanthan Anand und Boris Gelfand in Moskau 2012." Man muss dazu wissen, dass Wojtaszek jahrelang als Sekundant für Anand gearbeitet hat. Bis zum 15. Zug folgte "Radek" seiner Analyse, doch da war die Stellung für Fridman schon schwierig.


Fridman (links) und Wojtaszek kurz nach Beginn ihrer Partie

Wojtaszek dominierte mit seinen Figuren das Zentrum und begann einen Angriff auf den schwarzen König, den Fridman zwar abwehrte, allerdings nur auf Kosten eines wichtigen Bauern. Danach stand Weiß einfach auf Gewinn, waren sich beide Spieler im Anschluss einig. Nach dem 52. Zug gab Schwarz dementsprechend in einem hoffnungslosen Turmendspiel auf.

Nominell lautete die Spitzenpaarung des Tages Richard Rapport gegen Leinier Dominguez. Rapport durfte wie in der ersten Partie mit Weiß eröffnen und wählte einen ruhigen Réti-Aufbau. Dominguez reagiert sehr solide und hielt das Gleichgewicht. Nach 26 Zügen waren fast alle Figuren getauscht und es entstand ein ausgeglichenes Damenendspiel, das durch Zugwiederholung im 47. Zug remis endete.


Richard Rapport eröffnet die Partie mit Weiß

Der dritte Sieger des Tages lautet Teimour Radjabov, der Liviu-Dieter Nisipeanu bezwang. In einer Spanischen Partie wählte die deutsche Nr. 1 mit Weiß ausgangs der Eröffnung den falschen Plan. Er konzentrierte sein Spiel am Königsflügel, anstatt aktiv im Zentrum vorzugehen. Radjabov blockte die weißen Versuche ab und nutzte die schwarzfeldrigen Felderschwächen im weißen Lager rigoros aus. Allerdings half Nisipeanu durch einen unbedachten Vorstoß mit seinem c-Bauern im 24. Zug kräftig mit. Die Aktivität der schwarzen Figuren war enorm. Radjabov gewann Material und zwang seinen Gegner nach 40 Zügen zur Aufgabe.


Radjabov gelang als bisher einzigem Spieler ein Sieg mit Schwarz

Nach dem ersten Ruhetag geht es beim Sparkassen Chess-Meeting mit der dritten Runde weiter am Dienstag den 16. Juli. Die Partien, die im Orchesterzentrum Dortmund um 15 Uhr starten, lauten wie folgt:

Leinier Dominguez - Ian Nepomniachtchi
Teimour Radjabov - Richard Rapport
Daniel Fridman - Liviu-Dieter Nisipeanu
Kaido Kulaots - Radoslaw Wojtaszek

Text und Fotos: Georgios Souleidis

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