In der fünften Runde des Sparkassen Chess-Meetings 2019 kam es zum Kampf zwischen den Spielern der oberen und der unteren Hälfte der Tabelle. Die Favoriten waren in fast allen Partien am Drücker, doch letztendlich endeten alle Duelle mit der Punkteilung. Dementsprechend haben weiterhin, angefangen mit dem Tabellenführer Leinier Dominguez Perez, vier Spieler noch Chancen auf den Turniersieg.

Dokom21 ist ein Telekommunikationsanbieter aus Dortmund, der das Sparkassen Chess-Meeting unterstützt. Zur fünften Runde begrüßte der Veranstaltungsleiter, Gerd Kolbe, mit Helen Waltener eine Mitarbeiterin dieses Unternehmens, die es sich nicht nehmen ließ, die Runde am Brett von Ian Nepomniachtchi und Teimour Radjabov zu eröffnen.

Schon gut eine Stunde später endete die Spitzenpaarung mit remis. Was war passiert? Radjabov eröffnete mit dem Doppelschritt des e-Bauern und Nepomniachtchi antwortete mit der Najdorf-Variante der Sizilianischen Verteidigung. Die Akteure folgten einer Partie des russischen Großmeisters vom FIDE Grand Prix in Moskau zu Beginn dieses Jahres, bis Radjabov im 15. Zug den weißfeldrigen Läufer auf c4 stellte, genau wie Fabiano Caruana in einer kürzlich gespielten Partie in Norwegen, und kurz darauf sogar opferte.

"Nepo" war wie sein Gegner sehr gut vorbereitet. Es folgte eine Kanonade von Schachs und taktischen Motiven. Zuerst zeigte der Computer einen Vorteil für Schwarz an, doch nach längerem "Nachdenken" war klar, dass die Spieler einen Remispfad betraten. Trotz einer Figur weniger drang Radjabov mit seinen Türmen auf die siebte Reihe ein und gab ein Dauerschach.

Daniel Fridman und Leinier Dominguez Perez wählten eine häufig gespielte Variante der Katalanischen Partie, in der früh die Damen getauscht werden. Der deutsche Nationalspieler forcierte mit Weiß den Tausch weiterer Figuren, ließ sich aber etwas passiv zurückzudrängen. Das Endspiel mit jeweils Turm, Springer und fünf Bauern war dennoch ausgeglichen und nach dem Übergang ins Turmendspiel war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Kontrahenten den Punkt teilen würden.


Dominguez Perez und Fridman kurz nach Beginn ihrer Partie

Dominguez Perez versuchte noch Probleme zu stellen, doch Fridman tauschte nach und nach alle Bauern. Nach 69 Zügen hatten beide Spieler nur noch König und Turm auf dem Brett, so dass ein Weiterspielen keinen Sinn mehr ergab. "Der größte Aufreger der Partie war, dass ich kurz nach der Zeitkontrolle vergaß, eine dreimalige Zugwiederholung zu reklamieren", meinte der deutsche Nationalspieler süffisant im Anschluss. "Aber da hatte ich auch keine Bedenken mehr, dass die Partie remis enden wird", fügte er hinzu.

Gegen Radoslaw Wojtaszek und den Doppelschritt des d-Bauern wählte Liviu-Dieter Nisipeanu die auf diesem Niveau selten gespielte Tarrasch-Verteidigung des Damengambits. Der polnische Großmeister reagierte mit einer giftigen Nebenvariante, die ihm aus der Eröffnung heraus das Läuferpaar sicherte. Trotz der symmetrischen Bauernstruktur entwickelte er damit eine leichte Initiative, da das Zentrum völlig offen war.

Er griff mt seinem schwarzfeldrigen Läufer den Springer auf f6 an und die deutsche Nr. 1 ließ eine Schwächung seines Königsflügels zu. Auf der Suche nach Gegenspiel opferte er einen Bauern am Damenflügel und ging ins Schwerfigurenendspiel.  Er griff den weißen König auf der Grundreihe an, doch Wojtaszek wehrte alle Drohungen ab und verblieb mit einem Mehrbauern und einer technischen Gewinnstellung. Allerdings war die Verwertung des Vorteils alles andere als trivial. Nisipeanu stellte reihenweise Probleme und gewann tatsächlich den wichtigen weißen Freibauern auf der b-Linie. Im Turmendspiel mit drei gegen zwei Bauern auf einem Flügel willigte der Favorit ein. "Ich hätte viel fokussierter sein müssen und bin natürlich enttäuscht", äußerte sich Wojtaszek.


Wojtaszek führt einen Zug aus, den Nisipeanu notiert

Kaido Kulaots und Richard Rapport trennten sich in der längsten Partie des Tages ebenfalls remis. Der ungarische Großmeister wählte mit Schwarz die supersolide Berliner Verteidigung der Spanischen Partie. Nach dem frühen Tausch der Damen  im achten Zug entstand das wohl berühmteste Endspiel der Schachtheorie, das durch den WM-Kampf zwischen Garri Kasparow und Wladimir Kramnik im Jahr 2000 in London geprägt wurde.

Die Partie schien ein wenig dahinzuplätschern, doch Rapport schaffte es kurz vor der Zeitkontrolle, seine Figuren zu aktivieren und Druck zu entfalten. Um seine Gewinnchancen zu wahren, opferte er seine Qualität für zwei Bauern. Er besaß letztendlich zwei Freibauern für die Qualität, doch Kulaots opferte einfach sein restliches Material, um die Gefahr zu bannen und das Remis nach fast sieben Stunden zu erzielen.


Rapport zieht gerade den e-Bauern zwei Felder vor

Mit der sechsten Runde geht es beim Sparkassen Chess-Meeting am Samstag den 20. Juli weiter. Die Partien, die im Orchesterzentrum Dortmund um 15 Uhr starten, lauten wie folgt:

Ian Nepomniachtchi - Liviu-Dieter Nisipeanu
Richard Rapport - Radoslaw Wojtaszek
Leinier Dominguez - Kaido Kulaots
Teimour Radjabov - Daniel Fridman

Text und Fotos: Georgios Souleidis

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