Das Sparkassen Chess-Meeting 2017 trägt den Untertitel „Wladimir-Kramnik-Turnier“. Es wird also bereits zu Lebzeiten Wladimir Kramnik, einem der bedeutendsten Schachspieler aller Zeiten gewidmet. Das ist ungewöhnlich, lässt sich jedoch leicht erklären:

Seit genau 25 Jahren gibt es eine Schachliaison zwischen dem dreifachen Weltmeister und der Dortmunder Veranstaltung. Weitgehend Hand in Hand haben Kramnik und das Sparkassen Chess-Meeting Weltkarrieren gemacht und können 2017 somit „Silberhochzeit“ feiern.

Wladimir Kramnik, geboren am 25. 6. 1979 in Tuapse am Schwarzen Meer, ist ein Musterschüler des legendären Schachweltmeisters Michail Botwinnik (1911 – 1995), dem es bislang als Einzigem gelang, seinen Titel in zwei Revanchekämpfen zurückzugewinnen. Botwinnik gilt als der wichtigste Begründer der legendären Sowjetischen Schachschule. Hier erhielt auch der hochgewachsene Jüngling Wladimir Kramnik ein exzellentes schachliches Rüstzeug.

Zwei Jahre nach seinem Dortmund-Debüt anlässlich des legendären Chess-Meetings 1992 wurde der junge Russe U 18-Weltmeister. Danach ging es Schlag auf Schlag mit großen Turniersiegen und bedeutendenMeisterschaften. So war es auch nur folgerichtig, dass Kramnik 2000 in London in einem WM-Kampf, der Geschichte schrieb, Garri Kasparow enttrohnte und damit eine neue Ära im modernen Schachsport einläutete. Mit der fast schon vergessenen Berliner Verteidigung in der Spanischen Partie düpierte Kramnik den eigentlich als unschlagbar geltenden Kasparow. Deshalb sind viele Fachleute sind der Ansicht, dass Wladimir Kramnik mit diesem Sieg als Schachspieler unsterblich geworden ist. Dagobert Kohlmeyer, jahrelang geschätzter Schachkorrespondent beim Dortmunder Großmeisterturnier, meint, dieser WM-Kampf sei der schöpferische Höhepunkt in der großartigen Schach-Karriere des russischen Hünen gewesen.

Nachdem sich Peter Leko 2002 anlässlich des 30. Sparkassen Chess-Meetings als WM-Herausforderer qualifiziert hatte, kam es 2004 in schweizerischen Brissago zum Showdown zwischen Leko und dem befreundeten Kramnik. Der hochdramatische WM-Kampf endete unentschieden 7:7, sodass nach den WM-Regeln Kramnik seinen Titel erfolgreich verteidigt hatte.

Unschöne Begleitumstände brachten den Schachsport in der Vereinigungs- WM 2006 zwischen Kramnik und FIDE-Weltmeister Weselin Topalow ins Gerede. Kramnik, kurz zuvor von einer Rheuma-Erkrankung genesen, präsentierte sich nervenstark und verwies den Bulgaren in Elista in die Schranken.

2007 verlor Kramnik die WM-Krone an den Inder Viswanathan Anand, der den Titel auch 2008 gegen ihn verteigte.

Heute ist der dreifache Weltmeister, mehrfache Schach-Olympiasieger und vielfache Turniersieger Wladimir Kramnik bereits jenseits der 40, verheiratet und zweifacher Familienvater mit Wohnsitz in Genf. Im Mai 2017 stand er in der FIDE-Weltrangliste auf einem großartigen 3. Rang. Zitieren wir nochmals Dagobert Kohlmeyer: “An Schachverständnis und Gedankentiefe übertrifft Wladimir Kramnik noch immer die meisten seiner Kontrahenten!“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.