Deutscher Nationalspieler trotzt Ex-Weltmeister Kramnik dank einer „Festung“ / Vier Punkteteilungen zum Start in Dortmund

„Schach ist hässlich und remis“, ulkte Wladimir Kramnik und beendete lachend die Analyse mit Liviu-Dieter Nisipeanu. Der deutsche Nationalspieler war beim Sparkassen Chess-Meeting einer Niederlage des Russen mit Schwarz anno 2016 gegen Weltmeister Magnus Carlsen gefolgt, weil er glaubte, „dass Wladimir davon angewidert war und die Stellung nicht mehr richtig anschaute.

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Bürgermeisterin Birgit Jörder mit dem Eröffnungszug des Sparkassen Chess-Meetings

Die Stellung galt danach auch nicht mehr als spielbar für Schwarz“. Nisipeanu reanimierte diese jedoch und stellte fest, dass er zwar einen Bauern weniger hat im Endspiel, es aber „dauernd Festungen gibt“. So kam es auch im Duell mit dem zehnmaligen Dortmund-Sieger: Im Turmendspiel gab es kein Durchkommen für Kramnik. Der Ex-Weltmeister willigte nach rund 4,5 Stunden Spielzeit in den Friedensschluss ein. Zufrieden kommentierte Nisipeanu das feine Positionsgeschiebe: „Man muss ja nicht gerade gegen Kramnik mit Schwarz Harakiri spielen. Dafür gibt es bessere Möglichkeiten.“

Den Zug 15.f3 „kannte“ Nisipeanu „nach guter Eröffnung“ nicht mehr. Im 18. Zug opferte er den Bauern, wonach der Anziehende mit den doppelten Doppelbauern sein Mehrmaterial nicht nutzen konnte, auch wenn laut dem deutschen Nationalspieler „die Computer Weiß im Vorteil sehen“. Im 15. Duell in Folge in Dortmund verbuchte der 41-Jährige sein 14. Remis. „Ich hätte doch etwas Ambitionierteres probieren sollen“, befand Kramnik ohne allzu großen Ärger, um mit der Quintessenz „Schach ist hässlich und remis“ sein Fazit zu ziehen.

Relativ unaufgeregt endete auch das Duell zwischen Titelverteidiger Radoslaw Wojtaszek und Georg Meier. Der 30-Jährige überlegte bereits beim ersten Zug mehrere Minuten, nachdem der Pole mit 1.c4 begonnen hatte. „Ich wollte in diese Variante, die aufs Brett kam. Ich überlegte anfangs, wie ich da am besten reinkomme. Für mich lief danach alles gut.“

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Vorjahressieger Radoslaw Wojtaszek bedauert, dass er dem Publikum nur ein Remis bietet.

Wojtaszek vermied es, in eine „schlechte Version eines Nimzo-Inders zu geraten, bei der Schwarz den Springer deutlich besser auf e7 statt f6 platziert hat“. Dies hätte in mehreren Varianten ohne Umschweife den Bauernzug f5 erlaubt. So verfügte Weiß „zwar über mehr Raum, aber keinen guten Plan“, erläuterte Meier. Das Remis sei „natürlich kein guter Start fürs Publikum – aber so ist es eben“, meinte der Vorjahressieger Wojtaszek.

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Georg Meier überlegt lange an seinem ersten Zug.

Auch das dritte Duell endete ohne Entscheidung. Ian Nepomniachtchi verzeichnete „einigen Vorteil. Damit kann man mit Weiß zufrieden sein. Doch Schwarz war mit dem Glück im Bunde und hatte genügend Zeit zur Verteidigung. Ich versuchte daher noch positionellen Vorteil zu wahren und hatte das Gefühl, gewinnen zu können. Im Damen-Endspiel übersah ich jedoch 50...Dc6. Das bemerkte ich zu spät, sonst hätte ich vorher mal Kh4 probiert“. Der Weltranglistensechste Giri zeigte sich „sehr zufrieden mit der Punkteteilung. Mehr war wirklich nicht drin. Vor der Zeitkontrolle stand ich okay, auch wenn ich in der Eröffnung unter Druck geraten war. Als ich zuließ, dass Ian die Dame zentralisiert, musste ich genau spielen“.

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Ian Nepomniachtchi (rechts) macht Druck gegen Anish Giri, doch der Weltranglistensechste hält die Stellung

Das Geburtstagskind tröstete sich daher mit einem Fußball-Ergebnis. Der Weltranglisten-15. erkundigte sich nach dem WM-Spiel um Platz drei und kommentierte das 2:0: „Wenigstens Belgien hat mir ein kleines Geschenk gemacht und gewonnen!“ Danach verabschiedete sich der 28-Jährige in den Feierabend. Feiern wollte er jedoch nicht mehr. „Vielleicht trinke ich noch ein Bier.“

Nach mehr als 6,5 Stunden hatte auch Jan-Krzysztof Duda mit nur noch zwei Minuten auf der Uhr ein Einsehen und stellte seine Gewinnbemühungen im 72. Zug ein. Vladislav Kovalev war damit sehr zufrieden, nachdem er „zwei Züge vor der Zeitkontrolle eine gute Chance ausließ. Danach musste ich mich genau verteidigen“. Das Eröffnungsduell ging insofern an Schwarz, weil der Russe eine Variante wählte, „die ich noch nie spielte“. Trotz der laut Duda unangenehmen „Überraschung“ übernahm der favorisierte Pole im Endspiel die Regie und bekam „die bessere Stellung. Leider gab es aber kein Durchkommen“.

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Fast sieben Stunden lang bekämpfen sich Jan-Krzysztof Duda (rechts) und Vladislav Kovalev.

In den drei Open, die am Samstag am Morgen im Fritz-Henßler-Haus begannen, gehen 204 Spieler an den Start. Im A-Open führt Großmeister Daniel Hausrath (SV Mülheim-Nord) das Feld an vor Wojtaszeks Ehefrau, der Russin Alina Kashlinskaya. Als erster Preis sind 1000 Euro ausgesetzt.

In der zweiten Runde am Sonntag kommt es ab 15 Uhr im Orchesterzentrum NRW zu den Duellen Meier – Giri, Nisipeanu – Duda, Wojtaszek – Kramnik und dem russischen Vergleich zwischen den einstigen Aeroflot-Open-Siegern Kovalev und Nepomniachtchi.

Text und Fotos: Hartmut Metz

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